Letzte Änderung: 31. Mai 2018

Tagungen

Räume des Anomischen am 07. und 08.06.2018, Festsaal der Humboldt-Universität zu Berlin, Luisenstr. 56.

 

Über die Tagung

Das Recht der Moderne ist, seinem Anspruch nach, omnipräsent. Die Französische Revolution, der Zusammenbruch des philosophisch fundierten Naturrechts und die mit der Aufklärung einhergehende Säkularisierung verlangten nach einem neuen normativen System, um das menschliche Miteinander zu regeln. Diese Aufgabe nahm, mit zunehmend exklusiver Zuständigkeit, das Recht wahr. Mit seiner kontinuierlichen Positivierung verlor es zwar seine Wahrheitsfähigkeit, gewann aber im Gegenzug die Möglichkeit, auf alle erdenklichen Fragen eine Antwort zu geben, bis es sich im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts auch der Staat selbst gefallen lassen musste, gegebenenfalls vom Recht korrigiert zu werden. Gleiches Recht für alle, das war das zentrale Versprechen des Rechtsstaats.

Die Verheißung, die darin lag, ist im 20. Jahrhundert mehr und mehr als Zumutung wahrgenommen worden. Schon nach dem Ersten Weltkrieg wuchs das Unbehagen an den Verfahren des Rechts, die zu behäbig und zu umständlich seien, um auf substantielle Herausforderungen der Gesellschaft angemessen reagieren zu können. Zugleich wurden individuelle Entfremdungs-erscheinungen zum Ausgangspunkt einer Kritik am Recht überhaupt, dessen juristische Verarbeitung als technisch-doktrinäre Engführung wahrgenommen wurde, die eine in der Gesellschaft angeblich ursprünglich vorhandene rechtliche Empfindsamkeit notwendig verletzen müsse.

Gegenwärtig haben diese Formen der Kritik wieder starken Zulauf. Der Traum vom Durchregieren ist heute so mächtig wie die Utopie einer Gesellschaft, die ihre Konflikte ohne juristische Mediatisierung lösen kann; an die Suspension ganzer Rechtsgebiete im Namen des Kampfes gegen den Terrorismus hat man sich beinahe schon gewöhnt. Die Tagung möchte dies zum Anlass nehmen, die Grenzen des Rechts und die Räume der Anomie einer näheren Inspektion zu unterziehen: Unter welchen Bedingungen gesellschaftliche Krisen dem Recht Anpassungs-leistungen abverlangen; welche Widerstände das Recht seiner eigenen Suspension entgegenbringt; ob eine Welt ohne Recht juristisch noch verarbeitet werden kann; welches Maß an Normalität Recht voraussetzt; wie das Individuum auf Erfahrungen der Rechtlosigkeit reagiert - diesen und anderen Fragen werden wir anhand von kurzen Vorträgen aus juristischer, historischer, soziologischer, politischer und kulturwissen-schaftlicher Perspektive nachgehen.

 

Die Ankündigung und das Tagungsprogramm finden Sie hier.

 


 

 

Am 19. Januar 2018 fand der Workshop "Recht und Krise in der Literatur" von Prof. Dr. Anna-Bettina Kaiser, LL.M., und Dr. Benjamin Lahusen statt. Die Ankündigung finden Sie hier:

 


 

 

 

Am 13. und 14. Oktober 2017 fand in Kooperation mit Prof. Dr. Jan-Werner Müller der Workshop "Constitutions Under Stress: Comparative Perspectives" an der Princeton University statt. Das Programm für den Workshop findet sich hier.


 

 

 

Am 28. und 29. Oktober 2016 fand an der Humboldt-Universität zu Berlin die internationale Tagung zum Thema "Obama's Court: Recent Changes in U.S. Constitutional Law in Transatlantic Perspective", der Flyer zur Tagung findet sich

unter diesem Link.

 


 

 

 

Am 5. und 11. Juni 2016 fand der Workshop "State of Exception/Ausnahmezustand" in Kooperation mit der Princeton University und Prof. Dr. Jan-Werner Müller an der Juristischen Fakultät statt.